Speiseröhrenerweiterung

 

Schlunderweiterung (SE) – Megaösophgus (MÖ)


Vereinzelt tritt in der Rasse Weißer Schäferhunde die angeborene Speiseröhrenerweiterung auf. Unsere Züchter sind eingehend über die Symptome dieser Erbkrankheit informiert und somit in der Lage ggf. die ersten Anzeichen bei den Weißen Schäferhund Welpen richtig zu deuten und ggf. durch Röntgen mit Kontrastmittel beim Tierarzt abklären zu lassen.

Betroffene Welpen werden auffällig durch häufiges Erbrechen nach der Futteraufnahme, was wiederum ein geringeres Körpergewicht gegenüber den Geschwistern zur Folge haben kann. Durch das häufige Erbrechen kann Futter in die Atemwege gelangen, und somit als „Nebenerscheinung“ der Speiseröhrenerweiterung auch eine Lungenentzündung diagnostiziert werden.

Für Fragen zu diesem heiklen Thema stehen unseren Züchtern, insbesondere den Anfängern in der Rasse, die Geschäftsstelle und das Zuchtbuchamt für Rückfragen zur Verfügung. Die Züchter unseres Vereines schätzen es sehr, daß evtl. aufgetretene und gemeldete Erbfehler nicht dazu benutzt werden, die Züchter in der Öffentlichkeit, heutzutage vornehmlich im Internet, an den Pranger zu stellen, wie in anderen Vereinen schon mehrmals geschehen.

 

Nur der vertrauliche Umgang mit Erbfehlern führt dazu, daß Züchter auch weiterhin Erbfehler melden, was wiederum dabei hilft, wichtige Erkenntnisse zur Bekämpfung zu erlangen. Allerdings gibt es ein Problem: Man weiß zwar, dass Schlunderweiterung genetisch weitergegeben wird. Bis heute jedoch konnte medizinisch nicht nachgewiesen werden, auf welchem Gen die Vererbung liegt. Hunde haben im Gegensatz zum Menschen nicht nur 23 Chromosomenpaare, sondern 39, was die genetische Vielfalt erheblich erhöht.


Für Laien ist dies oft schwer nachvollziehbar oder verständlich. Nicht umsonst studieren und forschen Mediziner mit entsprechendem Bildungshintergrund. Es wird zwar vielerorts behauptet, dass bei Verpaarungen der tatsächliche Vererber der SE bezeichnet werden kann. Doch niemals konnten diese Behauptungen fachlich bewiesen werden. Es ist nun einmal so, dass Laien oft vieles in den Raum stellen, was sie nicht beweisen können, sondern nur vermuten. Zumal jenen Laien zumeist jede Art von medizinischem Wissen fehlt. Der Laie behauptet einfach, ihm fehlt jedoch jegliche Art von Ausbildung und Erfahrung.


Die Ausprägung der Speiseröhrenerweiterung (Megaösophagus) kann verschieden schwere Grade zeigen. Welpen mit einer schweren Form werden auf Anraten des Tierarztes bereits beim Züchter eingeschläfert. Während sich leichtere Formen oftmals auswachsen und dem Hund lebenslang keine Schwierigkeiten bereiten.Bekannte Fälle zeigten Hunde, die nur mit den entsprechenden Medikamenten weiterleben konnten.


Wichtig ist allerdings immer, daß ein Züchter keinesfalls einen Welpen mit schwerer Form an unwissende Käufer abgibt.Die Wahrheit und ihr offener Umgang damit ist IMMER der bessere Weg, für jeden Beteiligten!


Aus zuchthygienischen Gründen sollte kein Welpe mit Speiseröhrenerweiterung in die Zucht gelangen. Züchter betroffener Würfe werden vom Zuchtbuchamt dahingehend beraten, möglichst keinen Welpen aus einem betroffenen Wurf zur Zucht aufzustellen. Auch wenn der betreffende Welpe selbst gesund ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er rezessiv ein Gen dafür trägt vermutlich höher als bei einem Welpen aus einem gesunden Wurf.

 

In jedem Falle raten wir unseren Züchtern, die selbe Kombination der Zuchtpartner nicht erneut vorzunehmen. Bei der Wahl der Zuchtpartner ist das Zuchtbuchamt gerne behilflich, damit möglichst wenig gemeinsame Vorfahren der vorausgegangen Anpaarung enthalten sind.


Noch etwas erscheint uns sehr wichtig und es kann gar nicht eindringlich genug deutlich gemacht werden: Fällt in einem Wurf ein Welpe mit Speiseröhrenerweiterung, dann empfinden manche Züchter es als das einfachste, den Vater des Wurfes zu bezichtigen, dass er der alleinige verantwortliche Partner für die SE sei. Das Hauptargument ist dann immer, die fragliche Hündin habe in anderen Würfen niemals Welpen mit Speiseröhrenerweiterung dabei gehabt und deshalb sei die Hündin nicht genetisch mit Megaösophagus belastet. Diese Rechnung wäre zu einfach. Wäre es so, dann wären Genetiker bereits längst dahintergekommen, welches Gen diesbezüglich lokalisiert werden könnte. Fazit: Das Problem Megaösophagus wäre gelöst. Doch dem ist nicht so. Uns sind vereinzelt Fälle bekannt, dass Züchter Hunde miteinander verpaart hatten, in deren Linien bekanntlich SE oder andere Auffälligkeiten vereinzelt vorgekommen waren. In einem Fall wurde dem fraglichen Hundezüchter davon abgeraten, die Hunde zu verpaaren (dieser Vorgang liegt bereits ca. 7 Jahre oder länger zurück). Vorgefallen war damals nichts (es sei denn, es wurde dem Verein nicht mitgeteilt). So kann es immer gehen. Voraussagen lässt sich überhaupt nichts. Deshalb sind rigorose Behauptungen, dass ein Hund keinesfalls genetisch mit SE belastet ist, völlig dilettantisch und frei erfunden. Es gibt leider überall Züchter, die sich vieles so zurechtlegen, damit sie sich persönlich von allem freisprechen können.


Der Tierarzt muss bestätigen, wie Hündin und Welpen beschaffen sind, ob die Welpen Wolfskrallen hatten, ob Welpen tot geboren sind, und ob Missbildungen im Wurf aufgetreten sind. Das Attest ist bei der Einreichung der Wurfmeldung dem Zuchtbuchamt vorzulegen.

(Auszug aus den Zuchtrichtlinien des 1.WS e.V. Einheit)


Der Züchter muss den Nachweis erbringen, ob derartige Fälle aufgetreten sind. Täte er das nicht, macht er sich der Urkundenfälschung schuldig. So ist dem Verein immer bekannt, ob vielleicht in Zukunft weitere Auffälligkeiten beachtet werden müssen. Wird oder wurde dem Verein derartiges nicht bekannt gemacht – siehe oben.


©1. Weisse Schäferhunde e.V. Einheit 2014